Artikel im Münchener Kunstjournal "und"


Im renommierten Münchener Kunstjournal "und" erschien folgender Artikel über die Ausstellungen in der Villa Stuck, der Künstler Mel Ramos und Uwe Lausen, im Heft 43., Juli - August 2010

hier der Artikel im PDF Format


25. Juni bis 3. Oktober 2010

Uwe Lausen. Ende schön alles schön

Uwe Lausen (1941–1970) zählt zu den wichtigsten Vertretern der figurativen Malerei der 1960er Jahre. Zu seinem vierzigsten Todestag widmet ihm das Museum Villa Stuck unter dem Titel »Uwe Lausen. Ende schön alles schön« eine große Einzelausstellung. Lausen, der durch seinen frühen Tod – er nahm sich 1970 im Alter von 29 Jahren das Leben – in der breiten Öffentlichkeit nahezu in Vergessenheit geraten ist, wirkte während seiner kurzen Schaffensphase äußerst einflussreich in einer singulären Position zwischen Pop Art, abstrakter und figurativer Kunst. Die Ausstellung umfasst 50 Gemälde und ebenso viele Arbeiten auf Papier, Aufnahmen von Uwe Lausen mit dem Musiker Hans Poppel und Texte des Künstlers. Teil der Ausstellung sind auch einige der Fotografien seiner Ehefrau, der Fotografin Heide Stolz.

Die Schau will erfahrbar machen, wer dieser Autodidakt wirklich war, dessen Œuvre sich bis heute neben Malern wie Gerhard Richter oder Sigmar Polke behauptet. Innerhalb von nur neun Jahren schuf Lausen ein von rasanten Entwicklungssprüngen gekennzeichnetes Werk, in dem er auf überzeugende Weise den ab 1964 aus England und Amerika einbrechenden Einfluss der Pop Art in eine sehr eigene und zeitgemäße Bildsprache übersetzte.

Museum Villa Stuck, Prinzregentenstr. 60, D-81675 München

Tel. +49(0)89-45 55 51-0

villastuck@muenchen.de
Dienstag bis Sonntag, 11-18 Uhr

http://www.villastuck.de/ausstellungen/2010/lausen/index.htm


Ausstellung Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, PRESSEINFORMATION „UWE LAUSEN“, 9. FEBRUAR 2010

DIE SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT WIDMET DEM MALER UWE LAUSEN DIE ERSTE
UMFASSENDE RETROSPEKTIVE NACH FAST 30 JAHREN
UWE LAUSEN
"ENDE SCHÖN ALLES SCHÖN"
4. März – 13. Juni 2010
Pressevorbesichtigung: Mittwoch, 3. März 2010, 11.00 Uhr

Uwe Lausens Werk zählt zu den stärksten, jedoch bislang immer noch wenig bekannten Positionen
der figurativen Malerei der 1960er-Jahre in Deutschland. Anlässlich seines vierzigsten Todestags
im Jahr 2010 widmet die Schirn dem mit 29 Jahren durch Freitod aus dem Leben geschiedenen
Autodidakten eine große Überblicksausstellung. Innerhalb von nur neun Jahren schuf Lausen
ein von rasanten Entwicklungssprüngen gekennzeichnetes künstlerisches Werk, in dem er auf
überzeugende Weise den ab 1964 aus England und Amerika einbrechenden Einfluss der Pop-Art
in eine sehr eigene und zeitgemäße Sprache übersetzte. Dabei ging es ihm nicht um die Schilderung
der banalen Konsumwelt, sondern um die schonungslose Darlegung menschlicher und gesellschaftspolitischer
Dramen. In verzweifelt aggressiver Form, die sich in seinen Arbeiten in einem
kühlen Realismus niedergeschlagen hat, übte Lausen Kritik an den gesellschaftlichen Zwängen
der Zeit und nahm dabei Tendenzen vorweg, die im Deutschen Herbst offen zutage traten.
Gleichzeitig entwickelte er eine markante und kontrastreiche Bildsprache, die aus heutiger Sicht
höchst aktuell ist und ein jüngeres Publikum ebenso begeistert wie Lausens eigene Generation.
Die Ausstellung in der Schirn umfasst neben 50 Gemälden und ebenso vielen Arbeiten auf Papier
auch einen der Wohnsituation des Künstlers nachempfundenen Raum. Hier werden Aufnahmen
von Uwe Lausen mit dem Musiker Hans Poppel und Texte des Künstlers zu hören sowie Fotografien
seiner Ehefrau, der Fotografin Heide Stolz, zu sehen sein.
Uwe Lausen wird 1941 als Sohn des späteren SPD-Politikers und Bundestagsabgeordneten Willi
Lausen in Stuttgart geboren. Schon früh beginnt die Rebellion des Einzelgängers gegen seine
Umwelt. Zunächst richtet sie sich gegen die Schule und das Elternhaus, später gegen die bestehenden
gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in den Sechzigerjahren. Uwe Lausens
ursprüngliches Ziel war es, Schriftsteller zu werden. So unterschreibt er bereits 1957 Briefe in der
für ihn typischen Mischung aus Hybris und Wissen um die eigene Begabung mit „Uwe Lausen
(der Autor)“. Ein Philosophie- und Jura-Studium – zunächst in Tübingen, später in München –
bricht der musisch, künstlerisch und intellektuell Hochbegabte nach nur wenigen Monaten ab.
Kurze Zeit wirkt er an der gemeinsam mit seinem Schulfreund Frank Böckelmann 1961 in München
gegründeten Literaturzeitschrift „ludus“ mit. Bald jedoch verlagert sich Lausens Interesse hin
zur Malerei. Grund dafür mag die beginnende Freundschaft mit den Malern der Münchner Künstlergruppe
SPUR (1957–1965) um Lothar Fischer, Heimrad Prem, Helmut Sturm und HP Zimmer
gewesen sein. Über SPUR tritt Lausen in Kontakt zur „Situationistischen Internationale“ (1957–
1972), der zu jener Zeit revolutionärsten und international aktiven Vereinigung von Künstlern, Literaten,
Architekten und Filmemachern in Europa unter der Führung von Guy Debord und Asger
Jorn. Die frühen Gemälde Lausens aus den Jahren 1961 und 1962 zeugen stark von diesem
künstlerischen Umfeld, aus dem er besonders die informell-figurativen Ansätze Asger Jorns und
der Gruppe SPUR für sich geltend machte.
Ab 1963 beginnt eine Phase des Experimentierens, innerhalb der Lausen sein Orientierungsfeld
stark erweiterte. Dabei bedient er sich oft der Gestaltungselemente anderer Maler, um sie ungeniert
gegeneinander ins Bild zu setzen. So wird der expressionistische Gestus durch eine brüchige
Ornamentik, die Friedensreich Hundertwasser zum Vorbild nimmt, gezügelt. Lausen bleibt fasziniert
vom menschlichen Körper, seiner Fähigkeit, Lust und Qualen auszudrücken, und sucht Anregungen
bei Francis Bacon. Die Ergebnisse dieser intensiven Auseinandersetzung finden sich
zunächst in den brutal verstümmelten „Körperklumpen“ von 1964 und 1965 wieder. Abstrakt biomorphe
Formen kollidieren mit realistisch gemalten Details. Die Leinwände werden in rechteckige
Bildfenster geteilt. Unvermittelt finden sich abstrakte Ornamente über dem Ganzen, so als hätte
jemand das Gemälde mit einem Stempel entwerten wollen. Die Beschäftigung mit dem Thema
Fleisch und Körper bleibt für Lausens Werk phasenübergreifend relevant, ebenso wie beispielsweise
das Interesse für ornamentale Strukturen, für Gewalt oder für das Wechselspiel zwischen
Figuration und Abstraktion. Mit diesen Techniken, die das Spannungsfeld Malerei bis zu seinen
Grenzen ausloten, erarbeitet er sich ein höchst eigenständiges Formenrepertoire.
1965/66 bricht Lausen, der immer wieder zwischen intensiven Arbeitsphasen, Drogenexzessen und
psychischen Tiefs, zwischen Empfindsamkeit und Aggression pendelt, mit seiner bisherigen Bildsprache
und führt einen kühlen Realismus in sein Werk ein. Seine Kritik an der Gesellschaft und der
Versuch, Widersprüche und Spannungen in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft aufzudecken,
finden sich in seinen Bildern wieder. Dabei kristallisieren sich Themenkomplexe wie „Der
Künstler als Killer“, „Faszination Sex und Gewalt“ oder „Das Wohnzimmer als Tatort“ heraus. Das
Wohnzimmer deutscher Neubauwohnungen – immer wieder durch Blümchentapeten, Sitzmöbel
und dicke Teppiche angedeutet – bleibt dabei nicht nur verhasstes Substitut für das vor Biederkeit
erstarrende Wirtschaftswunder. Spätestens ab 1967 wird es gleichsam Ort des Verbrechens, des
Mordes, Selbstmordes und der Vergewaltigung.
Nur wenige Monate bevor der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten niedergeschossen
wurde, arbeitete Lausen an einer Serie von „Soldatenbildern“. Sie zeigt schwarz-weiß kontrastierte
uniformierte Söldner, die mit Maschinengewehren um sich schießen. Bildtitel aus dieser Zeit
lauten „Der deutsche Killer“, „Jagd auf das letzte Fleisch“ oder „Der weinende General“. Zahlreiche
Fotos von Lausens Frau Heide Stolz aus der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre atmen dieselbe
kühle bis coole Gewaltfaszination, die nichtsdestotrotz als scharfe Kritik an staatlicher Willkür und
Repression zu verstehen ist. Uwe Lausen wiederum orientierte sich – sowohl im Hinblick auf Bildperspektiven
als auch auf bestimmte Personentypen – an den Fotos seiner Frau. In der Wahl der
Stile und Farben ist Lausen spätestens ab 1965 am Pulsschlag seiner Zeit. Als gerade eine klare,
an der Pop-Art orientierte Bildsprache, die international zum visuellen Markenzeichen der jungen
Generation werden sollte, im Entstehen begriffen ist, arbeitet er schon selbstverständlich mit deren
Vokabular. Die Reduktion auf reine Licht- und Schattenmalerei lässt das Dargestellte flächig
erscheinen, ungewöhnliche Perspektiven und Verzerrungen bringen die dargestellten Räume ins
Schwanken oder lösen sie zugunsten monochromer Flächen auf. Die verschiedenen Handlungsebenen
werden parallel und oftmals ohne kausalen Zusammenhang wiedergegeben. Intensive
ungemischte Farben schaffen in Kombination mit Schwarz und Weiß Distanz zur Wirklichkeit.
1968 zieht Uwe Lausen zusammen mit seiner Frau Heide und den beiden Töchtern Lea und Jana
in eine Wohnung nach München. Sein Atelier im gemeinsamen Bauernhof in Aschhofen hat er
bereits 1967 aufgegeben. In München entstehen nun die Arbeiten der letzten Phase seines künstlerischen
Werks. Der Maler verabschiedet sich zunehmend von der bislang im Mittelpunkt seines
Interesses stehenden Beschäftigung mit der menschlichen Figur. Gegenstände wie Tuben, Rohre,
Wasserhähne, Kloschüsseln und Waschbecken sind die fortan dominierenden Motive. In Flachheit
und Reduktion künstlerisch scheinbar zu einem Endpunkt gekommen, gibt Lausen das Malen
spätestens 1969 vollständig auf, um in stundenlangen, teils meditativen Improvisationssessions
zusammen mit dem späteren Kinderbuchillustrator und Pianisten Hans Poppel Musik zu machen.

Doch sein Zustand verschlechtert sich zunehmend, und als ihn seine Frau nach mehreren kürzeren
Trennungsphasen endgültig verlässt, sehen Freunde den letzten Rettungsanker in einem Auftrag
für das Bühnenbild zu Peter Steins Skandalinszenierung von Edward Bonds Early Morning
(1969) am Schauspielhaus Zürich. Nach rastlosen, von Verfolgungswahn geprägten letzten Monaten,
unter anderem in Zürich, Sankt Gallen, München, Frankfurt und Darmstadt, nimmt sich Uwe
Lausen, der zu diesem Zeitpunkt wegen Drogendelikten polizeilich gesucht wurde, im September
1970 im Haus seiner Eltern in Beilstein bei Stuttgart das Leben. Doch selbst wenn dieser Suizid
Folge gesellschaftlicher Defizite sowie individueller psychischer Probleme und des verstärkten
Missbrauchs von Drogen war, war er doch auch Ausdruck einer uns heute aufgrund ihrer Radikalität
faszinierenden geistigen Haltung und wäre vielleicht nicht vollzogen worden, hätte der Künstler
ihn nicht schon unzählige Male in Schrift und Bild vorweggenommen: „das ende meiner person ist
genauso unvermeidlich wie das ende der menschlichen gesellschaft. und so wie die menschheit
werde auch ich meine endgültige bestätigung im endgültigen ende finden. [...] der sieg ist unvermeidlich.“
Eine Ausstellung der Schirn Kunsthalle Frankfurt in Kooperation mit dem Museum Villa Stuck,
München, und der Sammlung Harald Falckenberg, Hamburg.
Weitere Stationen: Museum Villa Stuck, München (25. Juni – 3. Oktober 2010), Sammlung
Falckenberg, Hamburg (22. Oktober 2010 – 23. Januar 2011).
KATALOG: Uwe Lausen. Ende schön Alles schön. Herausgegeben von Selima Niggl, Pia
Dornacher, Max Hollein. Mit einem Vorwort von Max Hollein, Michael Buhrs und Harald Falckenberg
sowie Texten von Margrit Brehm, Justin Hoffmann, Axel Hinrich Murken und Selima Niggl, 132
Seiten, 130 Abbildungen, Hachmannedition, Bremen 2010, ISBN 978-3-939429-76-0, Preis 24,80 €
(Schirn und Buchhandel).
WERKVERZEICHNIS: Zur Ausstellungstour erscheint im Juni 2010 ein von Selima Niggl erarbeitetes
Werkverzeichnis der Gemälde von Uwe Lausen.
ORT: SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, D-60311 Frankfurt. DAUER: 4. März –
13. Juni 2010. ÖFFNUNGSZEITEN: Di, Fr–So 10–19 Uhr, Mi und Do 10–22 Uhr.
INFORMATION:

www.schirn.de

E-Mail

Telefon: (+49-69) 29 98 82-0, Fax: (+49-69) 29 98 82-240.

EINTRITT: 7 €, ermäßigt 5 €, Familienticket 14 €; Kombiticket mit der Ausstellung „Georges
Seurat. Figur im Raum“ 13 €, ermäßigt 9 €; Kombiticket mit der Ausstellung „Zelluloid. Film ohne
Kamera“ 12 €, ermäßigt 8 €; Kombiticket mit den Ausstellungen „Georges Seurat. Figur im Raum“
und „Eberhard Havekost. Retina“ 14 €, ermäßigt 10 €. Freier Eintritt für Kinder unter 8 Jahren.

ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN: Mi 19 Uhr, Do 20 Uhr, Sa 17 Uhr, So 17 Uhr.
KURATORINNEN:
Selima Niggl (München), Dr. Pia Dornacher (München). PROJEKTLEITER: Matthias Ulrich
(Schirn). MEDIENPARTNER: Frankfurter Rundschau, konkret – Zeitschrift für Politik & Kultur,
Journal Frankfurt. KULTURPARTNER: hr2-kultur.

PRESSE: Dorothea Apovnik (Leitung Presse und PR),
Tanja Wentzlaff-Eggebert (Pressesprecherin), Philipp Dieterich,
SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg,
D-60311 Frankfurt, Telefon: (+49-69) 29 98 82-118,
Fax: (+49-69) 29 98 82-240

E-Mail


Uwe Lausen


Uwe Lausen


Presseberichte Kunsthalle Schirn Frankfurt/M


Fernsehbericht Hessischer Rundfunk

Radiosendungen zum MP3 download:

Deutschlandradio

HR2 Kultur

Rockfun24